wuestenstrom

Sexualität gestalten - Entscheidungen treffen!

Zeugnis der Bibel

Frauen und Männer entwickeln das Empfinden einer Identität unter der Erfahrung, dass sie in ihrem Selbst von anderen als eigenständiges Ich angesprochen und bestätigt werden. Wir sehen im Zeugnis der Schrift einen Gott am Werk, der den Menschen von Anfang an als Frau oder Mann anspricht und ihm somit Persönlichkeit verleiht (vgl. Genesis 1, 26ff.; Genesis 2,7.).

Wir sehen in der Bibel den Hinweis, dass Menschen in der Beziehung zu Gott den Zuspruch erhalten, den sie zum Leben als reife Persönlichkeit brauchen. Wir wollen in unserer Arbeit Menschen die Möglichkeit geben, diese dialogische Gottesbeziehung als Quelle für die Reifung der eigenen Persönlichkeit zu erfahren.

Für uns erweist sich das Zeugnis der Bibel nicht als eine moralische Einengung menschlichen Lebens, sondern als einzigartiger Zuspruch Gottes an den Menschen. In diesem Zuspruch sehen wir die Kraft, die den Menschen zum Leben befähigt und ihm die Richtung auf ein erfülltes Leben zeigt.

Ein erfülltes Leben heißt in diesem Horizont, dass der Mensch befähigt ist, seinen Problemen zu begegnen, Beziehungen zu leben und sich mit guten Dingen zu versorgen. In diesem Befähigtsein des Einzelnen sehen wir zugleich, dass dem Menschen Problemlösungsfähigkeiten mitgegeben sind, die ihm helfen, aktiv Veränderungen anzustreben. Wir sind dem in der Heiligen Schrift dargestellten Lebensentwurf der Ehe von Frau und Mann verpflichtet. In ihm sehen wir die Keimzelle allen gesellschaftlichen Zusammenlebens und die Grundlage der Hoffnung auf Zukunft für unsere Gesellschaft.


Theoretisch fundiert
Bei der Arbeit an Identitäts- und Partnerschaftsfragen von Frauen und Männern folgen wir der neueren Frauen- und Männerforschung, die den je unterschiedlichen Wert und die unterschiedliche Problemdynamik der beiden Geschlechter betont. Wir haben auf der Grundlage dieser Theorien, die sich u.a. auf Carol Gilligan, Nancy Chodorow, Ruthellen Josselson, Holger Brandes, Herrmann Bullinger beziehen, festgestellt, dass Frauen und Männer einen anderen Problembezugsrahmen haben, der in der Beratung von Identitätsfragen und Partnerschaftsproblemen ein differenziertes Herangehen nötig macht.

Menschen, die ihre sexuelle Orientierung konflikthaft empfinden fragen, ob sie in ihrem sexuellen Empfinden festgelegt sindoder sich verändern können? Auf dem Hintergrund der sexualwissenschaftlichen Theorien, wie sie von Robert Stoller, Eberhard Schorsch, Friedemann Pfäfflin oder Gunter Schmidt in die derzeitige Diskussion eingebracht werden, sehen wir die Sexualität als einen Erlebensbereich des Menschen, in dem durchaus nichtsexuelle, lebensgeschichtlich verwurzelte Motive inszeniert werden können. So benutzen manche Menschen die Sexualität zur Stabilisierung von Fragen im Bereich ihres Frau- und Mannseins und zur Lösung von Konflikten, die ihnen jenseits sexueller Inszenierungen nicht lösbar erscheinen. Wir können für den Einzelnen nicht entscheiden, ob er in seiner Sexualität einen ungelösten, tiefliegenden Konflikt austrägt oder nicht. Wir wollen den Ratsuchenden auf der Grundlage des angedeuteten Theoriekomplexes daher einen Schutzraum anbieten, damit er dies in sich spüren kann. Nur auf der Grundlage dessen was dem eigenen Denken und Fühlen zugänglich ist, kann der Einzelne für sich entscheiden, ob es im Bereich seiner Sexualität Fragen gibt, an denen er arbeiten möchte oder nicht.

Auf den hier grob skizzierten Grundlagen haben wir ein multimodales Beratungskonzept entwickelt, das wir im Licht neuerer Erkenntnisse ständig überprüfen und weiterentwickeln.


Unser eigener Prozess
Für alle ehrenamtlichen und angestellten Mitarbeiter von wuestenstrom gilt, dass wir den Menschen nur dann gerecht werden können, wenn wir selbst im Prozess ständiger Veränderung sind. Dies betrifft unser persönliches Leben genauso, wie die theoretischen und methodischen Grundlagen unseres Arbeitens.

Als Organisation, die aus der Initiative von Betroffenen geboren wurde, wollen wir bezeugen, dass ein erfülltes Leben nicht dann eintritt, wenn wir alle Probleme gelöst haben. Der Mensch ist so lange er lebt ein Fragender und Suchender. Was über seine Reife entscheidet ist die Kompetenz, mit der er seine Probleme angeht. In diesen Problemlösungskompetenzen zu wachsen, ist für uns als Mitarbeiter ein wichtiger Auftrag.

Damit wollen wir gleichzeitig davon Zeugnis geben, dass wir dem Zuspruch Gottes glauben. Er spricht uns ein kompetentes, kreatives Sein zu. So erfüllt sich Christsein für uns nicht in moralischer Vollkommenheit, sondern in der liebenden Beziehung zum dreieinigen Gott. Er gibt uns die Kraft, Prozesse der Veränderung hoffnungsvoll zu wagen und uns nach einem erfüllten Leben auszustrecken.
Letzte Änderungen: 24.04.17